Dabei sein ist alles – Der Venustransit 2012

Schon letztes Jahr habe ich eisern versucht mir das heutige Datum einzuprägen und aufgrund zahlreicher fachspezifischer Artikel in den letzten Tagen ist mir das auch sehr gut gelungen, denn heute war der Venustransit. In etwa alle 100 Jahre schiebt sich die Venus von der Erde aus gesehen vor die Sonne und ist als kleiner schwarzer Punkt zu sehen. Der letzte Transit war 2004 und auch zu dem Zeitpunkt stand ich, ausgerüstet mit Teleskop und Kamera, bereit um das Schauspiel zu beobachten. Damals war der Transit tagsüber und war in seiner vollen Länge zu beobachten. Aufgrund meiner Begeisterung dafür konnte ich auch meine Mutter und meine Schwester überreden durchs Teleskop zu schauen, nur mein Vater musste an dem Tag leider arbeiten…

Das sollte diesmal anders sein! Zwar würde man nur die letzten Augenblicke des Venustransits direkt nach Sonnenaufgang sehen können, jedoch habe ich diesmal meine gesamte Familie und Julian(!) mobilisiert um sich den Transit anzuschauen. Während meine Eltern von zu Hause aus optimale Beobachtungsmöglichkeiten hatten, ging es für mich und Julian zum Planetarium. Dort sollten für interessierte Sternengucker kostenlos Teleskope aufgebaut sein und Frühstück angeboten werden.

Um vier Uhr morgens aufzustehen war besonders für Julian hart, aber es klappte dennoch. Kurze Zeit später waren wir auch bereits am Planetarium. Doch was für ein Schreck: Die Menschen standen in einer langen Schlange bereits bin hinunter zu den Treppen! Schon schlichen sich bei mir Zweifel ein, ob es überhaupt machbar sein würde, irgendwas zu sehen… Nach einer 15-minütigen Warterei kamen wir endlich ins Gebäude hinein und bekamen zwei Sonnenfinsternisbrillen und in der Eingangshalle gab es das versprochene Frühstück (bestehend aus Franzbrötchen, Brezeln und geschmierten Vollkornbroten). Noch auf den Turm raufzukommen sah schlecht aus. Viele Menschen kamen uns auch bereits wieder entgegen, weil sie das Warten aufgegeben hatten. Nach kurzem Zögern beschlossen dann auch wir unser Glück lieber auf der Grünfläche im Stadtpark zu versuchen.

An geeigneter Stelle hatten sich im Park auch schon einige Leute versammelt und Teleskope und Kameras aufgestellt (ich hatte meine Kamera leider nicht dabei, da ich mich voll und ganz auf Planetarium verlassen hatte). Wir gesellten uns also mit unseren winzigen Brillen zu ihnen und versuchten einen Blick auf die Sonne zu werfen. Nach einiger Zeit verschwanden dann auch die Schleierwolken und die Sonne kam hinter den Bäumen hervor. Bei uns brauchte es eine Weile bis wir den kleinen Punkt auf der Sonnenscheibe entdeckten. Genau genommen habe nur ich ihn entdeckt und das eigentlich auch erst, nachdem ich ein Foto auf der Kamera eines Zuschauers gesehen hatte… Julians Augen haben es leider nicht zugelassen, dass er die Venus direkt sieht, aber er meinte, dass es ja schon viel wert ist, dass wir live dabei waren ;)

Ich könnte jetzt schreiben, dass wir fürs nächste Mal ja nun wissen, auf was wir achten müssen, aber das wird wahrscheinlich nichts, denn wenn die Wissenschaft nicht schnellstmöglich einen Trank fürs ewige Leben entwickelt, wird kein jetzt lebender Mensch einen Venustransit jemals wieder sehen, schließlich ist der nächste ja erst in 105 Jahren (also 2117)… und das könnte selbst für die nächste Generation knapp werden.

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